Konferenzankündigung

Können Algorithmen moralisch kalkulieren?

Erforschung der Rolle der künstlichen Intelligenz bei moralischen Entscheidungen

10. und 11. Oktober 2022, Hochschule für Philosophie München, München, Deutschland

Algorithmen und maschinelles Lernen haben in vielen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen zunehmend an Bedeutung gewonnen. So finden wir algorithmische oder automatische Entscheidungsfindung in der Personalverwaltung, der Polizeiarbeit, der autonomen Mobilität, der Krankenpflege oder der Sozialarbeit. Die Leitfrage dieser interdisziplinären Konferenz ist, ob digitale Werkzeuge in Situationen, in denen Entscheidungen moralisch kompliziert und konfliktbeladen sind, eine wichtige Rolle spielen können oder sogar sollten.

Ziel ist es, grundlegende Fragen an der Schnittstelle von Ethik, Informatik und Sozialwissenschaften zu identifizieren und zu diskutieren. Wir wollen untersuchen, wie wir gemeinsame Strategien und Praktiken in den Kontexten entwickeln können, in denen digitale Werkzeuge eingesetzt werden können, um moralische Konflikte zu bewältigen. Wir laden Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen ein, eine Plattform für den Austausch über algorithmische Entscheidungsfindung in verschiedenen Bereichen zu schaffen, wie z. B. automatisierte Mobilität, Pflegestudien, vorausschauende Polizeiarbeit, Finanzdienstleistungen, soziale Dienste, Migration und öffentliche Verwaltung. Unser Forschungsprojekt KAIMo wird seine Forschungsergebnisse über den Einsatz digitaler Werkzeuge in der Kinderfürsorge und in sozialen Einrichtungen einbringen. Zu den Themen gehören unter anderem:

  • Beziehungen zwischen Mensch und Maschine: Wie verhält sich der Mensch zu maschineller Intelligenz und algorithmischen Berechnungen? Können Maschinen "bessere Entscheidungsträger" sein? Was bedeutet es, moralische Fragen mit Hilfe von KI zu entscheiden? Wie übersetzen wir moralische Fragen in Code? Gibt es moralische Maschinen?
  • Voreingenommenheit und Diskriminierung in Algorithmen: das Problem der Ungleichheit und der epistemischen Ungerechtigkeit in algorithmischen Risikovorhersagen und Screenings. Wie voreingenommen ist die KI? Können wir Prozesse mit digitalen Mitteln entschärfen?
  • (Ethische) Anforderungen an das Software-Engineering: Wie können Werkzeuge auf ethische Weise entwickelt werden? Was sind die Voraussetzungen für die Einführung von Software in einem ethisch sensiblen Umfeld?
  • Datenschutz, Privatsphäre und Verantwortung: Wie erhält man angemessene, repräsentative und gültige Daten für moralische Entscheidungen? Wie viele Informationen brauchen wir? Wie viel Privatsphäre gewähren wir den Teilnehmern? Wer ist für moralische Entscheidungen verantwortlich?
  • Teilhabe: Was ist die Rolle der Partizipation? Wie sollten sich die Gruppen, die von Algorithmen betroffen sind oder sie nutzen müssen, an deren Entwicklung beteiligen?

Eingeladene Referenten

Keynote

Virginia Eubanks; Professorin für Politikwissenschaft (Universität Albany)

Verzerrung und Diskriminierung in Daten und Algorithmen

Virginia Dignum, Prof. für Informatik, soziale und ethische KI (Universität Umeå und Technische Universität Delft)  

Orwat, Carsten, Dr., Senior Researcher Technologiebewertung und Systemanalyse (Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse) 

Rebecca Gutwald, Dr., Senior Researcher Philosophie (Hochschule für Philosophie München)

Mensch-Maschine Beziehung

Doris Aschenbrenner, Assistenzprofessorin für Industrial Design Engineering (Technische Universität Delft) 

Carolin Wienrich, Juniorprof. Mensch-Computer-Medien (Universität Würzburg)

Datenschutz, Privatsphäre und Datenqualität & Verantwortung

Tanja Henking, Prof. Strafrecht, Medizinrecht, Medizinethik (Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg)

Rainer Mühlhoff, Prof. Ethik und Sozialphilosophie der digitalen Gesellschaft (Universität Osnabrück)

(Ethische) Anforderungen an die Softwareentwicklung

Kerstin Schlögl-Flierl, Prof. Moraltheologie (Universität Augsburg) - tbc

Laura Sartori, Assistenzprofessorin für Politik- und Sozialwissenschaften (Universita di Bologna) 

Teilhabe

Doris Allhutter, Dr., Senior Researcher Science and Technology (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Technikfolgen-Abschätzung) 

Alexander Filipovic, Prof. für Sozialethik (Universität Wien) 

Workshop zur Vorstellung der in KAIMo entwickelten Prototypen

Jennifer Burghardt, Maximilian Kraus, Rebecca Gutwald (Nürnberg, Würzburg, München)

Vorträge von jungen Wissenschaftlern

Wird noch bekannt gegeben

Aufruf zur Einreichung von Beiträgen

Im Rahmen der Konferenz möchten wir einen virtuellen Raum schaffen, in dem (junge) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre aktuellen Projekte und Forschungsansätze vorstellen können.

Beiträge können sein, sind aber nicht beschränkt auf:

  1. Audio- oder Videopräsentationen (max. 5 Minuten)
  2. Erklärende Videos (max. 5 Minuten)
  3. Akademische Poster
  4. Live-Pitches / Prototyp-Demonstration

Ausführliche Informationen zur Einreichung von Beiträgen finden Sie in diesem Dokument.